Abgefahrene Ereignisse bei den NRW-Piraten

In den letzten Wochen war ich oft damit beschäftigt, mit einer Hand voll Piraten an etwas zu arbeiten, dem wir irgendwann den Namen Reboot verpasst haben. Ein Paket aus einer neuen Satzung, einer neuen Finanzordnung und einem Regelwerk als Ersatz für die Crewordnung.
Warum haben wir das getan? Warum haben wir dermaßen viel Arbeit und ja, es war sehr viel Arbeit, auf uns genommen?
Ich denke, die Motivation im Team war nicht durchgehend 100% identisch, aber es gab einen gemeinsamen zentralen Punkt im Team, der uns zusammenführte, der Streit um die Strukturierung in NRW. Ich mag das nicht aufwärmen, aber es dürfte beinahe allen Piraten als Crew vs KV-Diskussion in NRW bekannt sein. Diesen Streit waren wir angetreten, mit einem Kompromiss zu beenden, das war das erklärte Ziel und dafür haben wir wirklich einiges getan.
Wir haben versucht, es von allen Seiten zu betrachten, wir haben kontrovers diskutiert und auch schon mal gestritten, haben Zugeständnisse gemacht, die uns allen nicht so richtig passten und wir haben sogar explizit ein Loch im Regelwerk belassen, das vorher von anderen als Möglichkeit für einen „Hack“ umher geisterte.
Wir haben unsere Ergebnisse veröffentlicht und zur Diskussion gestellt und explizit um Meinungsäußerung und Anregungen auf Mailingliste und im Liquid Feedback gebeten und uns danach abermals hingesetzt und alles gegen die Meinungen der Diskussionsteilnehmer überprüft und auch verbessert.
Anschließend haben wir noch daran gearbeitet, das Paket auf dem LPT positiv zu verkaufen und es letztlich auf dem LPT zur Abstimmung gestellt.
Ich will es kurz machen, es hat nicht gereicht. Unser Paket hat nicht überzeugt. Zwar gab es für die beiden vorgestellten Pakete eine Mehrheit, aber eben keine 2/3-Mehrheit und so frustrierend das in dem Moment gewesen sein mag, es war gut so!
Ich glaube nach wie vor, dass eine andere Konstellation auf dem LPT uns für beide Pakete die notwendige 2/3-Mehrheit beschert hätte, immerhin waren nur 120 Leute vor Ort, aber wie wir es auch von den Wahlen her kennen, war das alles entscheidende Element, die Nichtwähler, also die, die nicht zum LPT angereist sind. Zu den Leuten, die keine Zeit hatten, gesellten sich nämlich dieses mal explizit auch Leute, die der Diskussion überdrüssig waren bzw. sind, denn das Thema zieht sich nun schon deutlich zu lange hin.
Wir sind also mit unserem Versuch gescheitert und zwar auf ganzer Linie. Nicht nur, dass die beiden Hauptelemente abgelehnt wurden, wir haben auch alles andere komplett zurück gezogen. Wir haben es nicht geschafft, den LPT von unserer Idee zu überzeugen und auch hier wieder der Hinweis, das war gut so.
Im weiteren Verlauf kamen die Anträge N von Olaf und plötzlich stand fast das gesamte Reboot-Team am Mikro und zwar nicht um die Anträge in der Luft zu zerreißen aus Frust, sondern um einer nach dem anderen zu sagen, dass die Anträge sehr gute Ideen bieten, leider aber Fehler haben. Kurz darauf bin ich zur Bühne hoch und habe Olaf gebeten, das alles zurück zu ziehen und sich uns für einen gemeinsamen Entwurf anzuschließen, da wir es für sehr gut möglich hielten, dass die Kombination aus seinen und unseren Ideen eine deutlich breitere Basis finden könnte. Olaf ist dem nachgekommen und hat damit, zu dem Zeitpunkt noch nicht ersichtlich, etwas besonderes angestoßen.
In der Folge scheiterten die Anträge der PG-Satzung ebenso und diese tat dann etwas erstaunliches. Sie kündigte an, alle Anträge zurück ziehen und sich mit Olaf und uns an den Tisch zu setzen, um gemeinsam etwas auszuarbeiten.
Das wirkte wie ein Befreiungsschlag, es lag fortan allen die Erkenntnis vor, dass es nicht möglich sein würde, die Probleme des LV-NRW zu lösen, wenn man nicht gemeinschaftlich bereit wäre, gemeinsam Kompromisse zu erarbeiten und so entstand gestern Abend eine Gruppe, die diese Erkenntnis teilt und nun bereit ist, der jeweilig anderen Seite, Zugeständnisse zu machen und ich bin zum ersten Mal seit langer Zeit wieder guter Dinge, was die Piraten in NRW betrifft. Da liegt zwar ein langer Weg vor uns, aber dieser „failed LPT“ könnte tatsächlich das beste gewesen sein, was uns passieren konnte.

Philip hat auch was dazu geschrieben

Nachtrag: Positiv ist unser Fail übrigens, weil es eine Gruppe zurück gelassen hätte, die so gar nicht mit unserem Vorschlag übereinstimmte. Erst jetzt haben wir die Möglichkeit deutlich mehr Leute ins Boot zu holen.

„Alles Trolle!“ als Ausweg?

schon lange stören mich an der Piratenpartei 2 Dinge sehr. Zum Einen ist es die Empfehlung an den Diskussionspartner, doch die Partei zu verlassen, zum Anderen ist es die Brandmarkung anderer als Troll.
Lese ich eine solche Empfehlung von der einen Person an die andere, dann beklage ich das zumeist umgehend auf der entsprechenden Liste, denn dem eigenen Parteikollegen das zu empfehlen geht gar nicht. Der Absender beansprucht nämlich in dem Moment für sich, zu wissen, wer in die Partei gehört und wer nicht. Eine Partei und schon gar nicht die Piratenpartei, ist aber keine homogene Masse, sondern ein extrem durchmischter Haufen von einzelnen sehr individuellen Menschen. gerade in der Piratenpartei finden sich Menschen zusammen, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Zwar ist meine Theorie, entgegen dem Spruch „Wir sind nicht rechts, wir sind nicht links, wir sind vorne“, immer noch, dass der Kern der Piraten im sozialliberalen Spektrum liegt, aber auch das ist breit gefächert und vor allem gibt es, das sollte man nicht vergessen so viele politische Themen, auch abseits einer solchen Einordnung, dass eine große Deckungsgleichheit durch alle Themenbereiche schlicht nicht zu erwarten ist.
Es ist also im hohen Maße anmaßend, zu glauben, man könne als einzelner feststellen, dass ein Anderer nicht in die Partei gehört.

Dazu muss ich feststellen, dass ich nicht mal so recht die Motivation hinter einer solchen Aussage erkennen kann. Warum empfiehlt man jemandem so etwas? Ist es nur Bequemlichkeit, um weiteren Diskussionen mit dem gegenüber aus dem Wege zu gehen? Ist es Größenwahn, zu glauben, man könne da für alle sprechen, gepaart mit dem Bedürfnis, auch alle anderen vor diesen Diskussionen zu schützen?
Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ich mag solche Aussagen überhaupt nicht.

Kommen wir zu den Trollen und damit zum größeren Phänomen innerhalb der Piratenpartei. Man sollte meinen, die Piratenpartei sei Netzaffin und gesegnet mit Leuten, die wissen wie die Kommunikation im Netz läuft. Man sollte meinen, die Mitglieder seien souverän im Umgang mit Mailinglisten und sie wüssten, dass es zur Not besser ist, einen Filter zu konfigurieren, als sich ewig mit Leuten herum zu schlagen, zu denen man schlicht nicht kompatibel ist – weit gefehlt! Es wird pauschal mit dem Begriff Troll um sich geworfen:
http://twitter.com/veloc1ty/status/26753533128
(Anmerkung ich bin ausdrücklich der Meinung, dass Alex im vorliegenden Fall gute Arbeit geleistet hat)

Aber was ist denn überhaupt ein Troll? Ich sollte diesen Artikel an der Stelle beenden und mich darüber amüsieren, welche Erklärungsversuche dazu kommen, aber geschenkt.
Sicher, es gibt Trolle, es gibt Leute die überall herumtrollen und alle anderen Beteiligten nur nerven. Über diese Leute herrscht eine große Einigkeit, dass sie zu dieser Gruppe zählen und zwar durch alle Lager. (sucht mal nach Zitterwolf und Antville) Es gibt auch Leute, die legen sich einen 2. anonymen Account in Foren, oder auf Mailinglisten an, um explizit zu trollen, just for fun.

Das Problem ist, bei den Piraten trifft diese Definition eher nicht zu, denn der Troll ist hier kein Absenderproblem, sondern vermutlich in 99% der Fälle ein Empfängerproblem. Der Begriff Troll wird regelmäßig missbraucht, um Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Er wird zweckentfremdet für Diskussionen der „härteren Gangart“. Man will sich schlicht nicht die Mühe machen, sich der Diskussion zu stellen und man benutzt den „Trollfaktor“ als Ausrede dafür, wichtige Informationsquellen nicht zu verfolgen.
Dabei ist z.B. das Gejammer um die Mailinglisten absolut kontraproduktiv. Man stimmt neue Mitglieder darauf ein, dass die Mailinglisten nicht zu gebrauchen sind und diese folgen den Ansagen dann auch beim erstbesten Anzeichen von „ruppiger Diskussionskultur“
http://twitter.com/schmelle2/status/26549501930
Das ist sehr schade, denn wenn die, die an einem normalen Ton interessiert sind, das Feld räumen, dann ist nicht damit zu rechnen, dass der Wert der Liste sich verbessert. Stattdessen beherrschen dann z.B. Leute das Geschehen, die ausgetreten sind und nur noch nachtreten.

Andersherum wir ein Schuh daraus. Wenn dort gute Diskussionen geführt werden und das Niveau hoch gehalten wird und weiterhin die tatsächlichen Trollereien ignoriert werden, verbessert sich das Klima automatisch und der Mehrwert der Liste steigt deutlich.

Die Frage ist also, warum geben wir uns den angeblichen Trollen geschlagen, statt das Heft selber in die Hand zu nehmen? Und warum benutzen wir den Begriff Troll so inflationär? Um sachdienliche Hinweise wird gebeten?

Ich möchte übrigens an dieser Stelle explizit noch mal die NRW-ML der Piraten bewerben! Tragt euch da ein, diskutiert mit und fangt nicht bei jeder Gelegenheit, sobald der Ton etwas rauer wird, an zu flennen, sondern mischt euch ein und bestimmt den Ton selber.

Zustand innerhalb der Piratenpartei – (k)ein Einzelfall

ohne viele Worte, hier eine Mail aus einer Liste:

Hallo Mitpiraten,

nach der Klage eines Piraten gegen den Start des Liquid Feedback-Systems
erließ das Bundesschiedsgericht, geleitet von dem extrem aktiven Piraten
Stephan Urbach, eine einstweilige Verfügung das System nicht zu starten.
Danach ergoss sich ein wahrer Shitstorm für Stephan – der soweit ging,
dass Piraten ihn am Telefon terrorisierten. Mittlerweile gibt es im Wiki
eine Solidaritätsseits für Stephan:
http://wiki.piratenpartei.de/Solidaritaet-vorstaende-herrurbach

Soweit ist dies sicherlich allen bekannt.

Ich möchte privat noch etwas hinzufügen – ich mache mich damit
vermutlich nicht beliebt, aber das ist mir herzlich egal. Ich habe keine
Ahnung ob der Shitstorm gegen Stephan noch anhält – ich hoffe aber
ehrlich, dass das NICHT der Fall ist.

Ich schäme mich für jeden einzelnen Piraten der es gewagt hat, Stephan
zu mobben. Wir treten ein für den Rechtsstaat für Transparenz und
staatliche Ehrlichkeit – und dann hinterfragen einzelne die
Unabhängigkeit der Gerichte?
Ganz abgesehen davon, dass das Terrorisieren einzelner zur Durchsetzung
politischer Ziele ganz sicher NICHT auf die Aktivitätskarte eines
Piraten gehört.

Pfui. Pfui über jeden der Stephan so behandelt hat, über jeden der dies
unterstützt. Ihr solltet euch fragen ob ihr in der richtigen Partei seid
– ob ihr überhaupt weit genug seid um in einer Partei aktiv zu werden.
Macht ihr das demnächst auch mit Piraten die anders abstimmen? Oder mit
Piraten die eine andere Meinung vertreten? Mobbt ihr andersdenkende so
lange bis sie austreten oder aufgeben? Oder sollten wir Polizeischutz
für Schiedsrichter beantragen?

Über die einstweilige Verfügung mag man unterschiedlicher Meinung sein,
über die Klage sowieso – aber einzelne Piraten derart zu behandeln, wie
dies mit Stephan geschah ist UNTER ALLER SAU.

Wir haben in dieser Partei eine Diskussionskultur die … nicht gut ist.
Einzelne brüllen alles andere nieder, eine sachliche Diskussion in einer
größeren Gruppe ist – wie u.A. auch Bingen gezeigt hat und diese
Maillingliste jeden Tag demonstriert – so gut wie unmöglich. Das
Verhalten der Terrrorpiraten gegen Stephan ist mMn aber eine neue
Qualität – und eine von der ich hoffe, dass wir sie nie wieder sehen
werden.

Ich habe absolut kein Verständnis für Terrorpiraten – und ich hoffe
ehrlich, dass es für jeden einzelnen ein Nachspiel geben wird.

Ich bin in weiten Teilen doch erstaunt, welchen Bodensatz diese Partei mit sich bringt.
Ich bin überhaupt kein Fan der Klage von Herrn Thiesen und ich habe mich über die Entscheidung des Schiedsgerichts ebenfalls nicht gefreut, aber ein derartiger Umgang mit einer solchen Entscheidung, fördert doch deutlich zu Tage, mit welchen Problemen diese junge Partei zu kämpfen hat.

Ganz oben auf der Fahne der Partei steht Freiheit und beinahe noch darüber stehen Dinge, wie „informiert euch“ und „wir wollen Politik auf der Basis von Fachwissen machen“
Angesichts solcher Ziele wirkt dieser Vorgang noch mal deutlich befremdlicher und ich möchte alle, die sich am Shitstorm und/oder dem Mobbing an Herrn Uhrbach beteiligt haben, deutlich den Austritt aus der Partei nahe legen, denn wenn die Piraten es irgendwann schaffen sollten, ihre Ziele zu verinnerlichen, sind diese Leute doch deutlich fehlplatziert in der Partei. Ich empfehle, als Ausgleich für den Verlust der Mitgliedschaft, den Eintritt in einen Dackelclub oder ein Engagement in der katholischen Kirche.

Hallo Welt!

Dies ist bla..

Ja ja, der erste Artikel, nicht schlecht, oder?

Die Datenbanken bleiben weiter offline und ich mach mal wieder von vorn, also natürlich nur die Datenbank, den alten Rotz einfach mal vergessen, auch wenn’s meistens doch lustig war. Außerdem wollte ich WordPress in der aktuellen Version einfach mal wieder testen. Und irgendwie liegt auch noch Moveable type auf einer meiner Festplatten. Man, das sind nächsten Monat 7 Jahre bloggen, f*** wo ist bloß die Zeit geblieben?