Man kann das alles auch anders sehen

Ich kopiere mal den Beitrag von Hollarius hier rein und antworte der Einfachheit halber inline.

Ich war so frei, mir am Montag ein paar Tage Twitterpause zu verschreiben, ein paar Tage Piratenpause. Zu frustriert war ich am Sonntag, zu hart die Wahlniederlage, auch die persönliche Enttäuschung. Ich wollte halt auch gern in den Kreistag, aber Platz zwei auf einer Liste ist, da wird der Foti mir zustimmen, nicht so sicher, wie man es sich wünscht. Diese Wahl war für mich vor allem eines, nämlich desillusionierend.

Ja, das war sie, für viele, sehr viele Piraten, nicht nur für die, deren Listenplatz nicht gezogen hat. Ich zähle mich dazu, aber ich zähle mich auch zu denen, die sagten, das sei verdient. Dazu unten mehr.

Eine Menge persönlicher Frust kommt da mit. Ich wollte selbst viel mehr geschafft haben, habe gemeinsam mit der Druckerei, die sonst immer alles so gemacht hat, wie ich es ihnen gesagt habe, die kommunalen Flyer halb verbaselt, so, dass sie zu spät waren. Und als ich dann in den großen Endspurt starten wollte, wurde ich mit Mandelentzündung und Bronchitis so ernsthaft krank, dass ich quasi total ausfiel. Sonntagabend dann, traurig im Kreishaus stehend, und immer noch schwach wie ein Kätzchen, las ich dann ein paar Tweets, die ich wahrlich zum Kotzen fand, und konnte mich nur schwach von einem „VERPISST EUCH DOCH ALLE!“ abhalten. Dann bin ich auf Tauchstation gegangen und habe mir ein paar Sachen durch den Kopf gehen lassen.

Da würde mich interessieren, wer sich denn verpissen soll?
Ich habe auch jede Menge persönlichen Frust mit mir rum getragen und bin ihn auch ebenfalls noch immer nicht los.

Ich bin 2011er, ein Nach-Berlin-Pirat. Ich hatte 2009 auch über Zensursula gebloggt und Petitionen gezeichnet, aber ich hatte die Piraten nur so halb auf dem Schirm. Ich dachte, na ja, das ist eine Partei, die sich um Filesharing und so kümmert, da habe ich als Urheber nichts zu suchen, und was haben die sonst noch an Themen, eigentlich nur Internet, nee, das reicht mir nicht, egal wie wichtig das Internet ist. Ich habe dann 2011 die Plakate gesehen, die in Berlin hingen. Da war eine Partei, die nicht damit einverstanden ist, dass Religion immer noch mit Politik verwoben ist – das fand ich gut. Da war eine Partei, die ernsthaft über BGE nachdachte, eine Idee, die für mich noch relativ neu war, aber über die ich schon einiges gelesen hatte. Eine Partei, die eine bunte Gesellschaft versprach, eine inkludierte, eine, in der Ressentiments überwunden werden. Eine Partei, die mit den eigenen Fehlern souverän umging. Eine Partei, in der auch verschiedene Meinungen in Ordnung waren, wie ich an meinem ersten Stammtisch lernte, in der ich ja gar kein Nerd sein musste, es gab ja genug davon, eine Partei, in der ich mit meinem Übergewicht nicht seltsam angeschaut wurde. Eine Partei, in der man auch auf meine Stimme hörte, so lange ich nicht totalen Unsinn erzählte. Ich wurde Pirat, und ich fühlte mich auch ganz bald sehr wohl in dieser Spaßpartei im Wortsinne, es gab keinen Stammtisch und kein AK-Treffen, auf der man nicht eine Menge Spaß hatte.

Ich bin ein 2009er Pirat, eingetreten zur Zeit von Zensursula. Ich habe mir damals die Mühe gemacht, nachzuschauen, ob meine Vorurteile richtig sind, gegen diese „Nerds“ und sie waren komplett falsch. Es ging von Anfang an nicht nur um Netzpolitik. Ich habe die Piraten von Anfang als sozialliberale Bürgerrechtspartei wahrgenommen (und auch verkauft), die Politik anders gestalten wollte, die die Bürger auch in die Parlamente bringen wollte, die sich dort nicht verbiegen lassen sollten, aber auch da failen wir, aber das ist eine andere Geschichte. Das Bild, dass du maßgeblich mitgenommen hast, was das Bild, das Berlin produziert hat. An anderer Stelle sagte ich bereits, dass das ein Problem war für die Partei. Während Zensursula 2009 einen Schwung von Leuten brachte, die die Netzpolitik mittragen konnten und wollten, während sie gleichzeitig für eine Programmerweiterung waren, brachte Berlin vor allem Leute, die das BGE hoch hielten. Nichts gegen das BGE, im Gegensatz zu Hollarius vertrete ich das Thema BGE schon seit irgendwann Mitte des Jahrzehnts. Ich hatte mich damit irgendwann nach Hartz 4 beschäftigt, wie mit den anderen Parteien auch, die mir aber zu keinem Zeitpunkt wirklich zusagten, aber auch das ist eine andere Geschichte. Also, nichts gegen das BGE, aber was ich nach Berlin am Stammtisch erlebt habe, hat mir, trotz der Warnung, dass wir aufpassen müssen, wen Berlin uns nun in die Partei spült, die Sprache verschlagen. Es waren einfach zu viele, deren einziges Interesse das BGE war. Ich bin in eine Partei eingetreten, die von Anfang an sozialliberal war und meinetwegen auch linksliberal. Für mich selber komme ich mit dem Begriff linksliberal wunderbar klar.

Ich wurde Pirat, weil ich an ein Piratenprojekt glaubte. Daran glaubte, dass alle Beteiligten darauf aus waren, die Welt ein bisschen besser zu machen, so naiv das klingen mag. Ich wurde Pirat, weil ich das Gefühl hatte, dass wir Menschen bewegen konnten, dass Menschen uns zuhörten und wir Politik anders machen würden. Ich bin bis heute Pirat, weil wir uns die politische Welt mit einem Programm erschlossen haben, dass ich in sehr weiten Teilen für radikal besser halte, als jedes andere politische Programm. (ich habe in den letzten Wochen mit den Mitbewerbern von den Grünen und Linken diskutiert, und natürlich haben die viel mit uns gemein und wir können gut miteinander reden, aber das Piratenprojekt ist das bessere!) Vor allem sagt das Piratenprogramm, wir vereinbaren linke Ideen mit Freiheit. Ganz in anarchistischer Tradition kommen wir mit fahrscheinlos daher, wollen die Möglichkeiten des Staates einschränken, uns ins Privatleben reinzupfuschen, wollen gar per BGE die Menschen von der Herrschaft des Geldes befreien. Wie kann man auf so ein progressives geiles Programm kommen? In dem man ein besseres Menschenbild hat, daran glaubt, dass Menschen auch anders können.

Was an fahrscheinlos nun anarchistisch sein soll, erschließt sich mir nicht und so ist es wohl mit vielen Ideen, man kann sie auch anders interpretieren. Beispiel: Das BGE ist für mich kein soziales Thema, sondern ein liberales. Es gibt mir die Freiheit, selber zu bestimmen, ob ich Jobs annehme der nicht. Es gab reichlich unterschiedlich Ansätze und auch Gründe für ein BGE und Wikipedia sagt, das erste Mal gab es diese Idee zur Verhinderung von Diebstahl in 1500irgendwas… Wie man also ein Programm deutet, oder deuten kann, hängt immer von der eigenen Person ab. Fahrscheinlosen ÖPNV halte ich für meinen Teil für ökonomisch wie ökologisch absolut sinnvoll und ich finde es sehr gut, dass es zudem alle Menschen mobil macht. Daran ist rein gar nichts anarchistisch.

In den letzten Monaten wurde der Glaube an das Projekt und an das Menschenbild immer mehr erschüttert. Und irgendwie ist er mir dann am Sonntag zerbrochen. Wir sind endgültig da angekommen, wo die Piraten des Jahres 2009 schon waren. In der relativen Bedeutungslosigkeit einer Netzpartei. 2011 und 2012 hatten wir einen Lauf, und der war berlingemacht. Eine Überraschungspartei, die mit frischen Ideen und frischen Gesichtern kam, eine Partei die sich was traute und die für ein Projekt stand. Ein Projekt, das von Afelia verkörpert wurde, auch von Schmidtlepp. Aushängeschilder, die zeigten, wir machen das anders. Auf der in Berlin gemachten Welle schafften es auch drei andere LVs in die Landtage, und wurden natürlich von der Realität überrascht. Aber bei all der Arbeit, die in den Parlamenten gestemmt wurde, bei all den guten Programmpunkten, die wir verabschiedeten, verloren wir unsere Frische, verloren das Momentum, oft wegen des Beschusses aus den eigenen Reihen. Das Bild, das wir nach außen zeigten, war oft grausam, die Hexenjagd auf Johannes Ponader, die Shitstorms oft wegen Nichtigkeiten. Ein Bundestagswahlkampf, der so weltfremd, brav und langweilig geführt wurde, wie man es sich nur vorstellen kann. Anstatt sich auf die radikalen Punkte zu stürzen, die uns von anderen Parteien abheben, wurden nur Konsenssprüche plakatiert, die nur leider auch mit den Mitkonkurrenten Konsens sind. Miserable PR.

Immer mehr erschüttert, soso. Es gab Bombergate und den Punkt an dem viele einfach die Nase voll hatten und gesagt haben, „jetzt ist Schluss!“ Immer wieder schwammen Tweets an einem vorbei, wer jetzt schon wieder wahlweise Nazi, Masku, Sexist oder was auch immer war. Es hatte sich eine Kultur entwickelt, in der man sehr vorsichtig war, was man äußerte und was nicht. Ja, das waren immer kleine Diskussionen, betrafen sie doch nur einzelne Leute. Dann wurde Schreibi indirekt involviert. Einer der dem nicht nachgeben wollte und dagegen schoss und es kam Bombergate. Bombergate war ein Dammbruch, viele Leute, die bis dato immer schön die Klappe gehalten hatten, um nicht in das Mühlwerk derer zu geraten, die heute mit „linksextrem“ ober was auch immer für Labels versehen werden, bekamen plötzlich mit, dass die gefühlten Mehrheiten gar nicht existierten und dass da draußen noch mehr Leute sind, die keine Lust mehr auf das Spiel hatten. Von da an wendete sich das Blatt. Ja, das war alles nicht schön, aber es gab einigen die Zuversicht, dass der aBPT eben nicht einen Vorsitzenden hervorbringen würde, der „für seine Peergroup“ im Vorstand ist. Viele die damals zuschauten oder sich gar beteiligten am weggrätschen von Leuten, die sich getraut hatten etwas Falsches zu sagen, stehen heute da und bejammern die Diskussionskultur in der Partei.

Ich will jetzt gar nicht behaupten, der oder die waren Schuld an der miserablen Wahl, Fakt ist, ich habe auch gesagt, dass das Ergebnis verdient war und das war es auch. Eine Partei, die so sehr an dem vorbei handelt, was sie sich selbst auf die Fahnen geschrieben hat, muss sich nicht wundern, dass sie beim Wähler keine Bestätigung findet. Eine Partei, die so sehr behauptet es anders machen zu wollen und sich doch so sehr in das Hamsterrad des Landtags begibt und sich ihm fügt muss sich nicht wundern. Ja, das geht selbstverständlich auch an meine Adresse und nein, dafür habe ich keine Entschuldigung, aber zumindest so viel, mit dem Beschuss aus den eigenen Reihen hatte das bei mir nichts zu tun. Ich habe noch nie einen dermaßen unmotivierten Wahlkampf geführt wie diesen. Ich gehörte nie zu denen die sagten #keinHandschlag denn das fand ich doof, aber die letzten Monate haben mich Identifikation mit der Partei gekostet und zwar reichlich und dafür gibt es sehr wohl Menschen, die das bei mir ausgelöst haben. Ja, dazu gehört neben Anne Helm auch unser Vorsitzender und ein Stück weit gar der gesamte kBuVo. Ohne jede Frage war das eine extrem schwierige Situation in der sich dieser befunden hat und ohne Zweifel kann ich aus anderem Blickwinkel vieles von dem verstehen, was da passiert ist, ABER, es deckt sich zu 0% mit der Vorgehensweise, die ich für korrekt gehalten hätte. Korrekt wäre es gewesen, schnellstmöglich einen aBPT einzuberufen, korrekt wäre es gewesen, das in der Mitte Deutschlands zu machen und zu zeigen, man versucht der Situation gerecht zu werden, über Kassel hätte niemand gestritten. Korrekt wäre es gewesen, wenigstens so zu tun, als habe man erkannt, dass man gerade auf dünnem Eis Schlittschuh fährt, aber stattdessen kam eine Entscheidung nach der anderen, die ich nicht nachvollziehen konnte und für jeweils einen Affront gehalten habe und ja auch der Umgang mit Bomber und Moligate, gehören zu den Dingen, die mich Motivation gekostet haben. Es gibt in der Partei anscheinend halt keine Mehrheiten für solche Aktionen und falls doch, so ist das eben nicht mehr die Partei in die ich eingetreten bin und ich muss mir überlegen, wie ich damit umgehe. ich behaupte mitnichten, dass Bombergate die Wahl verloren hat, aber es hat ganz sicher viele Mitglieder (die) Motivation gekostet.

Und btw. immer dieses Reden von progressivem Programm und Menschenbild, so lange man das nicht mit ganz konkreten Beispielen füllt sind es nur Worte auf dem Bingozettel.

Jetzt sind wir da, wo viele auch gerne bleiben möchten, bei unter zwei Prozent, einem Ergebnis, dass einer Nischenpartei, die sich nur um Internet kümmert, auch gut ansteht. Ganz ehrlich, mich interessiert das nicht. Ich sag ja nicht mit Müntefering, dass Opposition Mist ist, aber sicher keine Chance auf fünf Prozent haben, das ist echter Mist. Das interessiert mich auch nicht. Wenn wir uns nur für unsere eigenen Probleme interessieren, und nicht mehr für die von deutlich mehr Menschen, dann können wir es einfach aufgeben. Dieses #reclaimyournetzpartei halte ich für so ziemlich das Blödeste, was uns passieren kann. Wenn wir das durchziehen, dann gibt es uns bald nicht mehr, und das zu Recht.

Herrlich, es wird unterstellt viele wollten bei unter 2% bleiben und obendrein wird #reclaimyournetzpartei (was ich für meinen Teil nie benutzt habe) auch noch dermaßen wörtlich genommen, dass die Schwarte kracht.
1. für die 2% möchte ich dringend Belege haben
2. Ich sehe #reclaimyournetzpartei nicht wörtlich. Ich kenne niemanden, der komplett zurück will zur ausschließlichen Netzpartei und so es diese Leute gibt, sind sie eine verschwindend geringe Minderheit. Was ich aber sehe, sind Mitglieder, die nicht wollen, dass die Deutungshoheit dieser Partei am linken äußeren Rand liegt, that’s all.

Ich habe mir zwar in den letzten Tagen Twitterpause auferlegt, aber das war nur das, was ich nach außen kommuniziert habe. Ich habe nebenbei trotzdem Twitter gelesen, mich nur gezwungen, nichts zu faven, nichts zu retweeten, mich nirgends einzumischen. Ich war scheinbar nicht da, und habe mitgelesen. Und es war erschreckend. Vollhonks, die Norbert Hense angreifen, weil er für die Grünen kommunal angetreten ist. Etwas, was wir nie ausgeschlossen haben. Die gleichen Idioten, die dazu aufgerufen haben, keinen Wahlkampf zu machen, die überall herumgegröhlt haben, sie hätten DIE PARTEI gewählt, und damit deutlich gezeigt haben, dass ihnen die Piraten scheißegal sind, griffen einen missliebigen Piraten an, weil er bei den Grünen auf einer Liste stand? Ja, das ist exakt so dumm, wie es klingt.

Oh, wunderbar, Beschimpfungen soweit das Auge reicht, bin mal gespannt, wann diejenigen, die in den letzten Monaten zur Mäßigung aufgerufen haben, bis sie heiser waren, unter dem Artikel kommentieren. Das mit Norbert hense habe ich nicht mitbekommen, kann er gerne machen. Aber ob es Vollhonks sind um die es da geht, dazu müsste ich wissen, wer da involviert war und ob sich die Gruppen wirklich, wie unterstellt, so deutlich ähneln.
Aber kommen wir zum Mythos „die Piraten sind mir scheißegal“, wenn sie das wären, teile ich nicht mit, dass ich anders gewählt habe sondern tue das und schweige. Ob sie anders gewählt haben, man weiß es nicht und warum teilen sie es mit? Warum gibt es #keinhandschlag ? Das nennt sich Protest, lieber Holger. Das sind Menschen, die nicht damit einverstanden sind, was in der Partei passiert und dass sie nicht ausgetreten sind zeigt, dass es ihnen wichtig ist, das zu verändern. Aber stempel du mal ruhig alle zu Idioten ab, des befriedet sicher die Zukunft der Partei.

Oder die hämischen Stimmen, die davon sprachen, dass dieses Ergebnis verdient wäre, die das Ergebnis, zu dem sie am meisten beigetragen haben, natürlich Anne anlasteten, deren Verhalten exakt NULL öffentliches Interesse bekommen hätte, wenn Piraten es nicht gewesen wären, die die ganze Nummer immer und immer wieder aufgekocht hätten.

Es schwang bei mir 0 Häme mit, als ich das sagte, das war mein bitterer Ernst und mir tat das Ergebnis ganz besonders weh. Für mich war die Kommunalwahl die wichtigste Wahl der letzten 5 Jahre.
Und zu Anne lies mal etwas weiter oben.

Ich sag ganz offen, ich habe auf diese Leute keinen Bock mehr. Mir ist meine Lebenszeit echt zu schade, als dass ich mit politisch nicht satisfaktionsfähigen Leuten darüber diskutieren will, ob „Extremismus“ ein Begriff ist, mit dem man politische Diskussionen betreiben kann. Nein, ist er nicht. Die eine Seite des Hufeisens will ein versponnenes sozialistisches Paradies, die andere Seite will Ausschwitz. Das ist NICHT dasselbe. Wer das nicht blickt, der ist einfach der Politik nicht mächtig. Ja, das klingt arrogant, aber ich habe einfach keinen Bock mehr auf den Scheiß.

Ja, das ist arrogant, das habe ich euch mehrfach erklärt.

Ich habe keinen Bock mehr, als Linksfascho beschimpft zu werden, ich habe keinen Bock mehr, als Helfer der NPD bezeichnet zu werden, wenn ich darum bitte, die Begriffe dieser Arschlöcher nicht unreflektiert in heiklen Diskussionen zu nutzen. Wenn ihr von diesen Diskussionen so wenig Ahnung habt, dass ihr für die sicherlich oft schrecklichen Bombardierungen der Alliierten den Nazis „Massenmord“ nachplappert, dann zeigt das nur, dass ihr bei solchen Diskussionen einfach die Fresse halten solltet. Ihr kennt diesen Spruch von Nuhr, der ist ansonsten ja auch kein geistiger Hochleister, aber sein Spruch passt.

So wenig Bock wie die Piraten vor dir, die als Nazis, Maskus, Sexisten etc. abgestempelt wurden? So wenig Bock wie ich dem man vorgeworfen hat, den Rechten zu helfen, ja? Ich habe auch versucht, euch zu erklären, dass ich es nicht Massenmord genannt habe, dass ich aber ein Problem damit habe, es nicht so zu nennen, weil Krieg für mich immer Mord ist. Aber mach du mal, immer schön den anderen sagen „Fresse halten“, das hilft auch ganz bestimmt.

Die Aluhutträger, die von linker Unterwanderung sprechen, sollen sich auf die Montagsdemos trollen oder zur AfD, dahin, wo sie hingehören. Ich habe da keinen Nerv mehr. Werde mit diesen Leuten nicht mehr diskutieren, werde ihre Kommentare in den Spam verschieben, sie auf Twitter blocken. Ist einfach eine Sache des Selbstschutzes. Niemand hat diese Partei unterwandert. Sie zeigte eine Zeit lang das Gesicht einer progressiven Partei, die für die Fragen der Zukunft besser geeignet war, als der Rest der Politik. Sie zeigt in ihrem Programm immer noch diese Idee von einem Projekt, von einer besseren Welt. Natürlich hat das Linke angezogen, denen geht es schon immer um eine bessere Welt. Wir haben euch nicht unterwandert. Wir sind Piraten, weil wir genau dieses Programm großartig finden.

Oh, weitere Ausgrenzungen, es wird immer bunter, alle die nicht deiner Meinung sind > da ist die Tür, bravo!
Und noch mal zum Mitschreiben, es dürften sich ca. 90% oder mehr Mitglieder in dieser Partei finden, die dem linken Spektrum zuzuordnen sind, wenn man diese Verortung denn vornehmen will. ich habe das mit der linken Unterwanderung nicht gelesen, aber auch da gilt dann relativ sicher wieder > gemeint ist nicht links, sondern links außen.

Ich ziehe aus meinen Überlegungen meine Konsequenzen. Ich werde mich weniger engagieren, ich werde weniger investieren und mich auf das konzentrieren, was mir Spaß macht. Ich werde nicht nach Halle fahren, weil mir die Kraft fehlt. Weil ich mir weder den Hass noch die Streitereien geben will. Ich werde bis Halle meine Beauftragung als stellvertretender Pressesprecher des Landesverbandes NRW behalten, und dann auf die Ergebnisse reagieren. Wird sich die „Wirwollenfürimmer2%“-Fraktion mit ihrer unpolitischen Scheiße durchsetzen, werde ich mich im LV nicht mehr engagieren und Piratenarbeit auf die Unterstützung unserer Mandatsträger vor Ort reduzieren. Ich werde weiterhin schreiben und diskutieren, aber nicht mehr mit der faktenkritischen Empöreria. Wird Halle sich für einen BuVo entscheiden, der das bunte linksliberale Piratenprojekt wiederaufweckt, dann bin ich dabei. Dann zählt auf mich.

Hass und Streitereien im Blog verteilen und dann davor weglaufen? Puh, harter Tobak. unpolitische Scheiße? Das hatte ich die Tage schon mal, andere Diskussionen diskreditieren, weil man die politische Dimension einer Diskussion nicht erkennt oder ausblendet. Oder was genau meintest du mit unpolitischer Scheiße? Wer legt fest, was Politik ist?
Zum bunten linksliberalen Projekt will ich dir sagen, es ist nicht tot, es lotet nur gerade seine Grenzen aus.

20 Gedanken zu „Man kann das alles auch anders sehen

  • 30. Mai 2014 um 06:59
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    Wahre und klare Worte, danke.

    Antwort
  • 30. Mai 2014 um 07:31
    Permalink

    Moin Rekonverlenzierende,

    es ist ein Problem der Piratenpartei, irgendetwas von Menschenbild zu faseln und als nächstes in Beleidigungen und Arroganz auszufallen. Es ist in Problem der Piratenpartei, nicht zu erkennen, dass auch anders denkende Personen Menschen sind, sogar AfD-Wählerinnen. Es ist ein Problem innerhalb der Piratenpartei, verlorene Abstimmungen und Wahlen als undemokratisch anzusehen. Es ist ein Problem der Piratenpartei, auf der rechten Seite Gewalt anzuprangern und auf der linken Seite Gewalt zu relativieren. Es ist ein Problem der Piratenpartei, den Staat oder die Polizei (Generalstaatsanwalt, was weiss ich noch) gering zu schätzen, aber gern von Rechtsprechung von Gerichten zu Prozenthürden und Wahlkampferstattung zu profitieren. Es ist ein Problem der Piratenpartei, sich als linke Partei anzusehen. Es ist ein Problem der Piratenpartei, die Unzufriedenheit mit den Strukturen der Europäischen Union (auch: Demokratiedefizit) nicht in eigene Wählerstimmen zu kanalisieren. Es ist ein Problem der Piratenpartei, vielen mehr oder weniger sinnvollen (Online-) Petitionen gegen irgend etwas nachzulaufen, anstatt konstruktive Vorschläge zu machen. Grenzen sind so 80er, wo es gerade passt. Geht es um freien Handel, sind Grenzen wichtig und es möge sich möglichst wenig ändern. Freiheit für Bürger wird nur gefordert, wenn die Anderen dafür bezahlen (BGE). Anstatt für eine Politik gegen Klientelinteressen einzustehen, rennt die Piratenpartei allen möglichen Partikularinteressen hinterher, wenn dort als Überschrift „Bürgerinitiative“ steht und es gegen Änderungen des status quo geht.

    Ich bin mir nicht mehr sicher, ob eine Partei mit einem hohen Anteil an Problembären noch mit „Klarmachen zum Ändern“ werben darf. Allerdings sehe ich keine Möglichkeit, die innerparteiliche Meinungsbildung in eine sinnvolle Richtung zu verschieben. An den BPT nehmen zu viele Menschen teil, die keine Verantwortung in Beruf, Familie oder in sonstigen gesellschaftlich relevanten Gebieten tragen. Entsprechend werden dort Entscheidungen getroffen. Es darf fleißig gefordert werden und Visionen ohne Rezepte verordnet werden. Ernsthaft an Politik interessierte Menschen merken das schnell. In sieben Jahren wird es uns nicht mehr geben. Die Welt wird uns nicht nachtrauern.

    Gibt es auch etwas Positives? Ja, vor Ort setzen sich einige wenige sehr stark für gute Politik ein. Ich bewundere deren Idealismus. Mein Potential an politischem Idealismus ist nahezu aufgebraucht. Ich kann mir sinnstiftendere Tätigkeiten vorstellen als an politischen Machterwerb zu werkeln.

    Antwort
  • 30. Mai 2014 um 07:57
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    Wie so oft viel Wahres – auf beiden Seiten.

    Antwort
  • 30. Mai 2014 um 08:16
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    Danke für diesen Text. Ich verstehe mich seit vielen Jahren als linken Liberalen. Wer aus der Piratenpartei ein dogmatisches Projekt machen will, wird sie zerstören.

    „Progressiv“ ist m.E. zu kurz gedacht. Natürlich begrüßen wir Entwicklung und technischen Fortschritt (das unterscheidet uns hauptsächlich von der Grünen btw), aber es gibt auch Dinge, in denen wir konservativ sein sollten: im Schutz der Menschenrechte und des Grundgesetzes.

    Antwort
  • 30. Mai 2014 um 08:25
    Permalink

    Lieber Kai,
    Schade, dass du die Kommentarfunktion bei mir nicht gefunden hast. Aber ich möchte hier klar stellen: mein Blogpost war nicht als Diskussionsbeitrag zu sehen, sondern als ein Ausdruck meines persönlichen Empfindens. Als Begründung dafür, dass die Partei zukünftig nicht mehr im Mittelpunkt meines Denkens steht. Das sind sehr subjektive Sachen, die nie als konstrukt raus.iver Beitrag gemeint waren. Von daher kannst du dich gerne daran auslassen, es ist aber zu viel der Energie, ich bin aus der diskussion

    Antwort
    • 30. Mai 2014 um 08:33
      Permalink

      Sorry Holger,
      mir war das schlicht zu viel für ein Kommentarfenster.

      Antwort
  • 30. Mai 2014 um 08:29
    Permalink

    Das Handy spinnt: „das war nie als konstruktiver Debattenbeitrag geplant und ich bin aus der Diskussion raus.“

    Antwort
    • 30. Mai 2014 um 17:28
      Permalink

      @Hollarius,
      soweit Deine Schilderung der Dinge auch nur Anlass war für @Dave_Kay, seinen Beitrag niederzuschreiben, war er sehr wertvoll.
      Aber es war auch notwendig, ihn als Diskussionsgrundlage oder besser, als Ausgangspunkt für eine Replik zu wählen, da Du Deinen Text als Anklage formuliert hast. Und wo angeklagt wird, muss auch verteidigt werden (dürfen).

      Ganz im Ernst: Auch für Deinen Beitrag in diesem Sinne Dank.

      Antwort
  • 30. Mai 2014 um 11:35
    Permalink

    Zum Grundeinkommen kann man ja stehen, wie man möchte – es ist jedoch das Thema, dem maßgeblich der Einzug in vier Landtage (auch dem Landtag in NRW; siehe http://wahl.tagesschau.de/wahlen/2012-05-13-LT-DE-NW/umfrage-wahlentscheidend.shtml) zu verdanken ist.

    Kurz gefasst: Wir müssen in der Sozialpolitik glaubwürdig sein, damit wir die Wählerstimmen bekommen, die dafür nötig sind, um in den Parlamenten dann auch Netzpolitik machen zu können.

    Antwort
    • 30. Mai 2014 um 13:18
      Permalink

      Hallo Michael, zunächst mal steht da nicht BGE, sondern soziale Gerechtigkeit. Das kann und wird vermutlich das BGE beinhalten, es aber als alleinigen Punkt zu nehmen, halte ich für falsch. Aber dann, das wird hier an keiner Stelle angezweifelt, ich verstehe deinen Einwand einfach überhaupt nicht.

      Antwort
    • 30. Mai 2014 um 14:21
      Permalink

      Hallo Michael,
      solange wir das Grundeinkommen, oder meinethalben auch die bedingungslose Variante,
      als große Box ohne Inhalt vor uns hertragen, werden wir keine Wählerstimmen erreichen. Und ich widerspreche Dir auch in dem Punkt, dass dieses ursächlich war für die Erfolge, die zu 4 Landtagen führten.
      Ursachen waren andere, wie der Faktor Politik anders machen zu wollen, als die anderen. Transparenz und Bürgerrechte.

      In einem Punkt stimme ich Dir zu: Wir müssen glaubwürdig sein.
      Und das trifft eben nicht nur für die Sozialpolitik zu, denn die verorten die Wähler seit Jahren bei der SPD und bei den Linken. Nur mal so. Falls das noch niemandem aus den Wahlanalysen aufgefallen ist.

      Wir müssen als Piraten mal unseren „Markenkern“ finden, der uns von den anderen abhebt, als politische Alternative. Und dann ein Programm finden, dass wir nicht nur mit hochtrabenden Worten zusammenstellen, sondern dass wir in jedem Punkt mit einem schlüssigen ! Konzept unterlegen (nicht wie das jetzige kunterbunte und nichtssagende Gequassel zum irgendwie vielleicht und mal sehen zu finanzierenden BGE).

      Und dann bitte so, dass wir es auch dem Bürger auf der Straße (gemeinhin auch Wähler genannt) erklären können …. so das er es auch versteht.

      Alles andere ist in imho Augenwischerei und führt uns immer weiter in die Bedeutungslosigkeit.

      Liebe Grüße

      Antwort
  • 30. Mai 2014 um 13:46
    Permalink

    Danke – damit kann ich meinen eigenen Text einstampfen – weil, wozu alles doppelt schreiben?! ;o)

    Eines möchte ich jedoch noch ergänzen:
    Die Schuldfrage ist dennoch zu stellen. Und es ist wichtig, diese Frage zu stellen. Es muss geklärt werden, wie es letztlich zu all diesem kommen konnte, damit diese Fehler für die Zukunft vermieden werden können.

    Jedes Gericht muss die Schuldfrage klären. Täte es das nicht, würde es letztlich nie zu Veränderungen kommen. Und ja – das gebe auch ich offen zu – es ist schwer, mit den eigenen Fehlern zu leben, bzw. selbst darum zu kämpfen, aus Fehlern zu lernen. Die Frage der „Schuld“ ist da ein sehr wesentliches Element. Jedoch scheuen sich viele vor genau diesem Makel – Fehler zugeben zu müssen.

    Danke für den Text, er spricht das aus, was ich auch geschrieben habe.

    Antwort
  • 30. Mai 2014 um 18:36
    Permalink

    Fuer mich stellt sich nun die Frage: Was folgern wir daraus? Wie handeln wir? Oder geben wir das Projekt auf?

    Antwort
  • 30. Mai 2014 um 20:56
    Permalink

    ich könnte jetzt mindestens soviel gegenargumente vorbringen wie du gegen seinen text, und umgekehrt. aber das führt zu nichts, zum diskutieren ist der text zu lang.
    nur soviel: ich war bei kommmunalwahlen für den kreistag 2011 an 6. stelle auf der liste, vor 3 tagen habe ich mich entschieden den job zu machen, da 4 vor mir zurück getreten (oder gar nicht angetreten) sind (wir haben 2 sitze für ca 2% bekommen).
    also ist nicht aller tage abend, zumindest was das anbelangt.
    was allerdings aus der partei wird, wird sich zeigen. solange jeder macht und sagt was er will, allermeist ohne jegliche konsequenzen, wird es nicht besser. bis die meisten von denen ausgetreten sind. freiwillig oder auch nicht.
    and last but not least: das ganze gelaber von sozial-liberal macht alles nur schlimmer, weil es schubladen kreiirt wo zuvor gar keine waren.
    ich bin auch seit 09 dabei. <- als wäre dies eine parteizugehörigkeitsgenerationsfrage.

    Antwort
    • 31. Mai 2014 um 08:26
      Permalink

      Liebe lotta_kaa,

      ein Etikett zur Plakatierung der politischen Ausrichtung halte ich für überaus sinnvoll. Dabei gebe ich unumwunden zu, dass mir „sozial-liberal“ mit großem Abstand am besten gefällt. Zur Zeit werden Piraten außerhalb der Filterbubble aber entweder gar nicht, als bekloppt oder als linksradikal wahrgenommen. Mir gefällt das nicht.

      Ich glaube, dass wir mit unserer „Parteiendemokratie“ dicht am Optimum dessen sind, was im „echten Leben“ an Demokratie tatsächlich umsetzbar ist. Was unserem System fehlt ist „nur“ Transparenz. Diese fehlt aber nahezu vollständig und das macht unser System nachhaltig krank.

      Die Piraten haben Hoffnung auf Besserung gegeben und diese bisher nachhaltig enttäuscht. Dass ausgerechnet dabei diejenigen am meisten enttäuschten, die das Label „linksradikal“ verdientermaßen tragen ist die Komik und die Tragik der Geschichte.

      Linksradikal kann somit zwangsläufig nur als Hinterzimmerpolitik wahrgenommen werden, die konspirativ daherkommt und Vetternwirtschaft praktiziert. Ja, das hast Du richtig verstanden, prototypisch hierfür ist der LV Berlin, der zwar auch noch viele gute Leute hat, die sich aber als Opfer des „Berliner Systems“ überwiegend nur noch durch Schweigen bemerkbar machen.

      Deshalb, zwar kein „Berliner“, umso mehr Dank nochmal dem Dave_Kay.

      Danke für Deine Aufmerksamkeit.

      Antwort
  • 31. Mai 2014 um 00:24
    Permalink

    meine verstorbene oma sagte immer: dummheit und stolz wachsen auf einem holz.

    die pp hat bereits ihre „glaubwürdigkeit“, markenkern: dumm … (alternative selbst einsetzen) und eine arroganz in ihrer krusen flitterbude ohnegleichen, indem pupertierende erwachsene die welt erklären wollen.

    kann man(n) machen, aber …

    file:///C:/Dokumente%20und%20Einstellungen/Mutter/Desktop/Ich%20habe%20es%20satt,%20eure%20Ausreden%20zu%20h%C3%B6ren%20_%C2%A0Marler%20Zeitung.htm

    https://twitter.com/wollhexe68/status/472488076171042818
    kann man(n) auch machen, aber wähler anmachen quittiert dann der souverän.

    und die ich, ich, ich, will aber kommen nicht an. wirken genauso nervend wie kleinkinder die sich vor der kasse auf dem boden wälzen und für nen schokoriegel/mandat rumblöken.

    dazu, welche gesellschaftlichen impulse können von einer partei ausgehen die:

    1. eine überführte lügnerin von ihrer liste nicht entfernen konnte?
    (aber der dumme wähler rafft das ja nicht weil es nicht in der bild stand)

    2. nicht in der lage war den eigenen „stall“ auszumisten und VOR der wahl klar schiff und klare ansagen zu machen?

    Und an das „kleintje“:

    euch steht garnichts zu, nichts, null, nada.

    Lektion 1. für polik noobs:
    mandate vergibt nicht die partei sondern der bürger und um vom souverän dazu legitimiert zu werden muss man schon mehr tun als labern und einen langen atem haben.

    wenn nicht, suche dir ein anderes hobby. Stricken/häkeln/bildermalen beruhigt die nerven.

    Antwort
  • 3. Juni 2014 um 11:06
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    Hass und Streitereien im Blog verteilen und dann davor weglaufen?

    Ist doch häufig so. Das habe ich bei Hollarius schon oft erlebt. Seine Meinungshoheit muß gewahrt bleiben. Diskutiert wird nicht. Jeder hat seiner Meinung zu sein. Alternativen oder gar gegensätzliche Meinungen werden nicht zugelassen.

    Ignorant und selbstgerecht, wie immer …

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